• Rina Raetia | Fadrina Bundi

Die drei Bethen | Die weibliche Trinität

Aktualisiert: 28. Jan. 2021


Am sechsten Tag im Januar ist es jeweils soweit und die Sternensinger ziehen von Haus zu Haus, um den Bewohnern ihren Segen zu bringen. Wir kennen alle ihre Namen, Caspar, Melchior und Balthasar. Doch wusstest du, dass in diesem Brauch einiges im Verborgenen liegt und vieles nicht so ist, wie es auf den ersten Blick scheint?


Unsere heutige Variante dieses Brauches scheint eine Vermischung eines Bibeltextes aus dem Neuen Testament und einer uralten Muttergöttinnen-Anbetung zu sein, die bis in die Bronzezeit zurückzuverfolgen ist.


C + M + B, diese Buchstaben sind wahrscheinlich schon den Meisten einmal ins Auge gestochen. So soll diese Kombination für die Namen der «Heiligen Drei Könige» oder auch für «Christus Mansionem Benedicat» (Christus segne dieses Haus) stehen.


Hinter diesen magischen drei Buchstaben verbirgt sich aber auch ein Kult aus einer matriarchalisch geprägten Gesellschaft, die wie scheint von Vielen schon in Vergessenheit geraten ist. In C x M x B findet man die christianisierte Verehrung einer weiblichen Trinität. Sie besteht aus Catharina, Margarheta und Barbara. Diese heiligen Frauen wurden oftmals als die «Saligen Drei Frauen» oder auch als die «Drei Bethen» bezeichnet.


Venus von Willenberg
Venus von Willendorf

C x M x B Catharina, Margaretha, Barbara


Am letzten Tag der Raunächte, immer in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar zeigen sich die «Drei saligen Frauen». Sie sind gutmütig, bringen Segen und erscheinen, um zu helfen.


Kurz zu den Raunächten: Sie sind heilige Tage, welche rund um die Wintersonnenwende und den kalendarischen Wechsel in das neue Jahr stattfinden. Die Raunächte sind die Anpassung der Zeitdifferenz zwischen Mond- und Sonnenkalender und ist eine Zeit der Einkehr, Reflektion und des Loslassens. In dieser Zeit wurde intensiv mit edlen Harzen und Königskräutern ausgeräuchert. Man tat dies aus rituellen Gründen und um Mensch, Haus und Tier von Energien und anderen schädlichen Krankmachern zu bereinigen. Das Räuchern war ein essentieller Part dieser heiligen Zeit und wahrscheinlich auch Namensgeber für die Rau(ch)nächte. Diese Tage wurden je nach Region aber auch anders genannt. Rund um das Erzgebirge nannte man diese Nächte die «Mutternächte», was uns wieder zurück zur heiligen weiblichen Trinität bringt.


Über die Jahrtausende hat die Anbetung der weiblichen Dreifaltigkeit viele Namen und Formen angenommen, im Herzen blieb sie jedoch die gleiche.

In der keltischen Mythologie sind diese drei Frauen unter den Namen Ambeth, Wilbeth und Borbeth oder auch «die Bethen» bekannt. Sie sind Natur- und Schicksalsgöttinnen und spinnen am Rad der Zeit. Sie sind die Geburt, das Leben und der Tod. Die Erde, der Mond und die Sonne.


Die keltische Ambeth und die rätische Rätia sind ein und die selbe Göttin. Sie beschriebt die mütterliche, nährende und gebärende Energie und steht für den Kreislauf «Geburt-Tod-Wiedergeburt». Rätia wurde durch die Unterdrückung von heidnischen Glaubenssätzen zur christianisierten Form der heiligen Margaretha. Oftmals wird sie mit einem Drachen, einer Schlange oder einem Erdwurm dargestellt.


Wilbeth mit dem Spinnrad teilt jedem sein Schicksal zu und symbolisiert den Lebenslauf. Das Wil in Wilbeth ist etymologisch auf das Proto-Indo-Europäische Wort «kwel», also «sich drehend» zurückzuführen. Aus Wilbeth wurde später die heilige Catharina. Sie wird heute mit einem Rad und einem Schwert ikonisiert.


Borbeth ist die Erdgöttin, die uns wieder zu sich nimmt, nachdem sie uns den Lebensfaden durchschneidet. Sie bietet uns Geborgenheit und garantiert uns einen sicheren Platz. Darum wird sie auch mit einem Turm in Verbindung gebracht. Borbeth wurde durch die christianisierte Form der heiligen Barbara ersetzt.


Das Rheingebiet in Graubünden war ein Randgebiet des rätischen Raumes und galt als eine Art natürliche Barriere gegen Siedler. Doch die keltischen Lepontier erreichten dieses Gebiet dann trotzdem und somit vermischte sich der rätische Volkstum mit dem keltischen Glauben. Zeugen dieser Zeit finden wir heute noch in Ortsnamen wie Dardin, Breil usw.


Es ist für mich erstaunlich zu sehen, wie ein solch alter Kult trotz allen Schwierigkeiten der Unterdrückung und dem ganz normalen Wandel der Zeit überleben konnte.


In diesem Sinne, bring back (or at least don’t forget) the matriarchy.

Rina

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